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Wandbeschichtungen

Für Innenwände

Am Anfang steht die Wand. Entweder aus Stein, Lehm oder auch aus den unterschiedlichsten Platten, errichtet. Nehmen wir den Sonderfall des Sichtmauerwerks heraus, ist der Anblick roher Wände nicht sehr berauschend. Also muss da was dran oder drauf. Aber was? Der Maurer empfiehlt in der Regel Putzmörtel - aus der Maschine. Maschinenputz kommt entweder im Sack oder im Silo als fertiges Trockengemisch auf die Baustelle. Zusammen mit Wasser wird der fertig angerührte Putz dann an die Wand gespitzt und glatt verrieben.
Die gebräuchlichsten Putze sind der Kalk-Zement-Putz und der Gips-Anhydrit-Putz. In älteren Gebäuden findet man auch den Kalk-Lehmputz. Seltener ist der reine Lehmputz anzutreffen. Es gibt mit Sicherheit noch weitere Möglichkeiten des Putzes. Hier soll es nicht soweit gehen, alles zu erfassen. Damit haben die Wände schon ein gefälligeres Aussehen. Sehr genügsame Menschen, oder solche mit dem besonderen Geschmack, können mit  putzrohen Wänden auskommen. Die überwiegende Mehrheit möchte an dieser Stelle nicht aber halt machen und eine wohnliche Atmosphäre  schaffen.
Dazu noch ein paar Nebenbemerkungen. Wände haben eine wichtige Funktion. Sie sollen vor allem Räume voneinander trennen, sowohl in optischer als auch in schalltechnischer Hinsicht. Bei Aussenwänden kommt noch der Schutz vor klimatischen Einflüssen dazu. Alles andere ist hier Nebensache.
Welche Möglichkeiten gibt es, seine Wände zu gestalten?
  • Wandbeläge mit Tapeten
  • Bekleidungen mit Holz, Kork, Stein und ähnliche Materialien
  • Anstreichen mit Farbe
  • textile Wandbeläge
Und hier treten die ersten Probleme auf. Jeder möchte sich in seiner Wohnung auch wohlfühlen. 
Auf dieser Seite möchte ich mich dazu auf das Thema Feuchtigkeit beschränken. Gerade bei Neubauten ist das ein immer wiederkehrendes Problem. In den Medien wird immer wieder von Gerichtsverhandlungen zum Fehlverhalten der Mieter in Bezug auf das richtige Lüften berichtet.  Der Begriff der Wasserdampfsättigung macht seine Runden. Die Wasserdampfdiffusion gleicht oftmals einem diffusen Gerede. Um die Problematik etwas zu verdeutlichen gehen wir einfach nach draußen.
Die Sonne scheint, es ist warm, kein Lüftchen weht und das Hygrometer zeigt 20% an. Damit ist die Luft sehr trocken und unsere SChleimhäute werden trocken. Wir fühlen uns nicht so richtig wohl. Dann kommt feuchte Luft zu uns. Die Luftfeuchtigkeit steigt und wir fühlen uns auch bei sinkenden Temperaturen wohl. Steigende Luftfeuchtigkeit bei höheren Temperaturen deutet zunehmende Schwüle an. Wir fühlen uns wieder nicht so richtig wohl. An der Grenze der Sättigung beginnt es zu regnen.
Es gibt also einen Bereich im Zusammenspiel von Temperatur und Luftfeuchtigkeit in dem wir uns wohlfühlen.
So ähnlich spielt sich das "Raumwetter" in unseren Wänden auch ab. In der Küche und im Bad wird ein Großteil des Wasserdampfes erzeugt. Durch die Atemluft wird ein weiterer Bestandteil der Luftfeuchtigkeit erzeugt. Das wird auch besonders im Schlafzimmer deutlich. Diese Feuchtigkeit kann zu einem Teil von den Wandbeschichtungen, Teppichen und Einrichtungen aufgenommen, ein weiterer Teil muss über die Lüftung abgeführt werden. Wird der Prozess der Erzeugung durch Lüften, Heizen, weniger Personen im Raum und auch duch das Beenden der Küchenarbeit unterbrochen, wird die zuvor gespeicherte Feuchtigkeit wieder in die Raumluft abgegeben. Offene und frei belüftete Flächen können die Feuchtigket schnell wieder abgeben. In Ecken und hinter Möbeln geht dieser Prozess sehr viel langsamer voran. Es kann zu einer Übersättigung führen. Hier erfolgt ein Themenwechsel zum Schimmel.

Als Fazit aus diesem kurzen, nicht erschöpfenden Feuchtekurs kann das Augenmerk wieder auf die Wandbekleidung fokussiert werden. Die Wahl der Beschichtung hat demnach entscheidenen Einfluß auf das Wohlbehagen. Je offener der Wandaufbau ist, desto mehr Feuchtigkeit kann abgeführt oder gespeichert werden. Dicht versiegelte Oberflächen können nur sehr wenig Feuchtigkeit aufnehmen.
In der Bauphysik und auch sonst wird alles mit Normwerten belegt. In diesem Fall ist es der sogenannte Sd-Wert. Er vergleicht die Wasserdampfdurchlässigkeit mit der Wasserdampfdiffusion in einer ruhenden Luftschicht und wird in Metern angegeben. Ein Sd-Wert von 0,02 besagt, das dieser Stoff so durchlässig ist wie eine ruhende Luftschicht von 0,02m. Er errechnet sich aus der Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl m und der Schichtdicke in Metern. Sd=m*d. Feuchtemessungen bei Lehmfeinputz haben ergeben, dass nur in den ersten ein bis zwei Millimetern dieser ganze Prozess stattfindet.

In der folgenden Tabelle werden einige gebräuchliche Beschichtungen gegenüber gestellt.

Stoffe Sd-Wert in [m] Wasserdampfdurchlässigkeit Durchlässigkeit nach
DIN EN 1062-1
Leimfarbe 0,02 42 hoch
Kalkfarbe 0,02 42 hoch
Dispersions-Silikatfarbe 0,03 28 hoch
Dispersionsfarbe matt 0,06-0,05 14-16,8 hoch
Dispersionsfarbe glänzend (Latex) 0,5-0,3 1,68-2,8 mittel
Polymerisatfarbe 0,3-0,1 2,8-8,4 mittel
Acryllack 0,5 1,68 mittel
Alkydlack/Epxydlack >1 <0,84 mittel-niedrig

Wofür soll ich mich entscheiden?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Im ökologischen Bauen sollten neben den Leim- und Kalkfarben weitere Möglichkeiten genannt werden.
Auf Lehmbasis gibt es ein großes Sortiment an Putzen und Farben mit oder ohne Zusätzen. Das Thema Lehm wird noch separat behandelt.
Beschichtungen mit flüssigen Baumwollputzen oder anderen Naturfasern finden auch eine immer größere Verbreitung. Beide Gruppen der Wandbeschichtungen sind biologisch und baubiologisch sehr empfehlenswert. In der obigen Tabelle lassen sie sich bei Kalk- und Leimfarbe einordnen.
Bei den Tapeten wäre auch eine separate Seite erforderlich. Gibt es doch Spezialtapeten für die verschiedensten Anforderungen und Erfordernisse. Hier soll aber nur die allbekannte Rauhfasertapete erwähnt werden. Achtet man bei der Anschaffung auf den blauen Engel liegt man nicht verkehrt. Wasserbasierter Tapetenleim und Farbanstriche halten die Oberfläche diffusionsoffen.
Warum nicht auch Kork als Wandbeschichtung? Bei ebenfalls gutem sd-Wert ~0,03 hat dieser Stoff auch gute Eigenschaften zum Wärme- und Schallschutz.

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